Mittwoch, 25. Januar 2017

[How To] So geht Studieren

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Es gibt keine Zeit des Lebens, die mehr von Erwartungen geprägt ist, als das Studium. Jeder stellt sich unter dem Studieren etwas anderes vor:
Endlich das machen können, was man möchte - oder wenigstens nicht mehr zur Schule gehen! Von zuhause ausziehen, endlich man selbst sein können oder sich ganz neu erfinden dürfen. Morgens lange ausschlafen und jeden Abend die Kneipen unsicher machen. Leute kennen lernen, die sich für die gleichen Dinge begeistern, neue Freundschaften knüpfen und einen Partner für's Leben oder auch nur für eine Nacht zu finden. Sich bei Diskussionen und beim Schreiben von Essays mit hochintellektuellen Fragen zu beschäftigen. Aus sich herauswachsen und die Weichen in Richtung Traumberuf stellen. Ein Auslandssemester machen, die Welt bereisen und fließend Spanisch können. Gute Noten schreiben und die Eltern stolz machen. Ein Experte in einem Fachgebiet werden, dessen Namen keiner außer einem selbst aussprechen kann. Schon nach wenigen Semestern durch eine verblüffende Tat berühmt werden und für das ganze Leben ausgesorgt haben.
Vor allem Medien formen das Bild vom Studentenleben. Schon zu Schulzeiten kannte ich den Song I Love College und fieberte mit Elle Woods in Natürlich blond mit. Das Klischee des Studenten schwankt in den Medien in der Regel irgendwo zwischen pausenlosen Partys und ab und zu mal ein Buch zur Hand nehmen.











Wer das Abitur gemacht hat, hat etwas Großes geleistet und hat sich Spaß und Freizeit auch verdient. Ein beginnendes Studium fühlt sich vielleicht am Anfang wie eine Fortsetzung der Party an: Da gibt es Einführungswochen, Kneipentouren und Erstsemesterpartys. Dazu ist der Lernstoff noch recht überschaubar und überhaupt muss man erst mal sich selber finden!
Da bietet sich eine einwöchige Tour durch Amsterdam doch an - Anwesenheitspflicht herrscht in den Vorlesungen ja eh nicht und der Prof merkt es auch gar nicht. Der eine Kommilitone, den man flüchtig von einer der Kneipentouren kennt, gibt dir anschließend auch seine Mitschriften, das hast du ihn extra gefragt.
Hin und wieder eine Vorlesung ausfallen lassen, weil man am Abend zuvor bis spät in die Nacht arbeiten war oder die Dozentin eh eine blöde Kuh ist? Das macht doch jeder! Die Folien aus der Präsentation gibt es ja eh im Netz, also sind die, die in die Vorlesung gehen, einfach nur sau dumm! Du aber bist schlau - und schläfst lieber noch eine Runde, es war ja auch spät gestern...

Ich studiere inzwischen im Master und habe im Laufe meines Studiums viele Kommilitonen kennenerlernt, die genau so denken. Der ein oder andere mag tatsächlich so ein Genie sein, dass er dieses Studentenleben führen kann und trotzdem einen guten Abschluss macht, aber die meisten, die so denken, fallen durch Prüfungen oder melden sich nie dazu an und treten auf der Stelle. Schuld sind in ihren Augen nicht sie selbst, sondern der blöde Prof, der die Klausuren so abnormal schwer macht, um Leute "auszusieben". Nach ein paar Semestern geben sie auf, wechseln und starten (hoffentlich) wo anders durch.
Auf der andern Seite gibt es Studenten, die jedem auf die Nase binden, dass jede Klausur im Studium so schwer wäre wie das ganze Abitur und man sich schon einmal drauf gefasst machen sollte.

Meiner Meinung nach liegt die Wahrheit in der Mitte: Das Studium verlangt viel Zeit und Konzentration ab. Es fordert mehr als die Schule, vor allem das selbstständige Nacharbeiten des Stoffes (und du dachtest, es gäbe keine Hausaufgaben mehr). Zwanzig Stunden Vorlesung mögen ja erst mal entspannt klingen im Vergleich zu dreißig Stunden Schule, aber du kannst locker noch mal zehn Stunden für die Nachbereitung des Stoffes einplanen.
Wenn du Stoff nicht nacharbeitest, wirst du bald merken, dass du abgehängt wirst, denn es kommt jede Woche neuer Stoff dazu, der auf dem alten aufbaut. Jetzt ist die letzte Chance, am Ball zu bleiben, in dem du alles auf einmal nachholst.
Ich kann wirklich nur jedem ans Herz legen, trotz Online-Angebot und fremden Mitschriften tatsächlich in die Uni zu gehen! So bekommt einen besseren Zugang zu den Themen und kriegt auch gleich die Zwischentöne mit.
Gehst du in die Vorlesung (und die Übungen usw.), bereitest den Stoff zuhause nach, organisiert vielleicht noch eine Lerngruppe (nicht mehr als vier Leute; nur zwei gehen auch) und verpasst keine Fristen, machst du alles richtig. Man muss kein Genie sein, um gute Noten zu schreiben.
Wenn das Studium gut läuft, spricht natürlich auch nichts gegen eine gute Party, um mal Dampf abzulassen. Und was das Reisen angeht: Du hast zweimal im Jahr mehrere Monate am Stück frei. Hier ist Zeit für's Ausschlafen, für die Abenteuer, die Planung von Auslandssemestern und alles andere.
Mit der Zeit bekommst du auch die Erfahrung, um tatsächlich entscheiden zu können, eine Vorlesung zu "schwänzen" - ohne dass du es später bereust!
Was das Arbeiten angeht, das muss jeder selber wissen. Klar braucht mal Geld zum Leben, aber da solltet ihr zuerst eure Eltern um Unterstützung bitten und ansonsten BAföG beantragen. Nur, wenn euch das Geld dann immer noch nicht reicht, geht so viel arbeiten, wie ihr eben müsst. Umfragen zufolge sind Studenten sehr gestresst, sogar gestresster als Vollzeit-Arbeitnehmer. Ihr solltet euch daher zu Beginn nicht zu viel aufhalsen. Wartet lieber ab und bringt in Erfahrung, wie viel freie Zeit ihr habt, und sucht euch erst im Laufe des Studiums eine Arbeit. Nichts ist ärgerlicher, als wegen eines schlecht bezahlten Keller-Jobs im Studium nicht voranzukommen. Die guten studienbezogenen Jobs bekommt ihr eh erst, wenn ihr schon im Studium fortgeschritten seid.

Die Studienzeit ist keine endlose Party, aber sie ist auch kein Lern-Albtraum, sondern irgendwas dazwischen. Man verändert sich, wird erwachsener, kann über sehr viel mehr selbst entscheiden und ist freier als jemals zuvor.

Ich hoffe, ich habe euch hiermit einen kleinen Wegweiser durch das Wirrwarr von Erwartung und Realität im Studium mitgegeben, und wünsche euch in der aufregenden und leider viel zu schnell vorbeigehenden Phase eures Lebens viel Erfolg!

Wenn ihr selbst schon studiert oder studiert habt: Könnt ihr mir zustimmen oder habt ihr ganz andere Erfahrungen gemacht? Welche Erwartungen haben sich bei eurem Studium erfüllt und welche nicht? Schreibt es mir in die Kommentare!

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