Donnerstag, 16. Juni 2016

[Magazines] Interview

Interview - im Vergleich zu den bisher besprochenen Magazinen wie Barbara, Elle und Maxi eine eher weniger bekannte Zeitschrift! Die Idee zu dem Magazin stammt von Andy Warhol, der bei Partys Promis in lockerer Atmosphäre interviewt hat und diese Gespräche dann abgedruckt hat. Interview ist also im Prinzip ein Kunstwerk von Andy Warhol!


Ich habe Interview seit zwei Jahren abonniert und liebe sie, weil ich stundenlang in ihr versinken kann, da sie so viel Inhalt zu bieten hat. Heute werde ich sie euch vorstellen.

Was für mich eine gute Zeitschrift ausmacht


Ich bin oft angeödet von Kaufvorschlägen, die das Budget von fast allen sprengen, von Kochrezepten, für die noch nicht mal meine Oma die Muße hat und von unsinnigen Ratschlägen, wie ich Männer auf mich aufmerksam machen kann.

Stattdessen möchte ich in der Lektüre versinken, möchte zum Lachen und Nachdenken gebracht werden und vielleicht auch mal was Neues erfahren.

Wie gut ist also Interview?

Facts


6,00 (4,50 im Abo / 1,80 im Abo für Studenten)
erscheint monatlich
204 Seiten
Davon 14 % Werbeseiten; insgesamt 28 Seiten voller Werbung. Das ist voll in Ordnung und vor allem konzentriert sich die Werbung hauptsächlich auf bestimmte Abschnitte, sodass die Storys nicht mit Werbung durchsetzt sind.

Kategorien


People of Interview / FAME


Jede Ausgabe startet mit der Serie People of Interview, bei der immer ein Künstler seine persönlichen Lieblingsmenschen aus der Kunst- und Berufswelt vorstellt. Er erzählt, wie sie sich kennengelernt haben und was die Menschen so besonders für ihn macht. In dieser Ausgabe stellt Natalie Shirinian, Gründerin der New Yorker Designer-Agentur NES, ihre liebsten sieben vor.
Ganz ehrlich: Diesen Teil überspringe ich meistens, weil ich keinen der Leute kenne und sich die Texte doch immer sehr ähneln.

FAME steht für Fashion, Art, Music & Entertainment. Dieser 34 Seiten umfassende Teil beschäftigt sich mit aktuellen News aus ebendiesen Bereichen. Es werden viele neue Kollektionen vorgestellt, aber auch aufstrebende Designer und Trends.
Zudem gibt es hier Infos über aktuelle Ausstellungen, in denen zum Beispiel Fotografien von Kim Kardashian, Victoria Beckham oder Tilda Swinton gezeigt werden (Jürgen Teller, Bundeskunsthalle Bonn).



Dazwischen finden sich auch schon kurze Interviews wie zum Beispiel mit Candice Breitz, die für eine Videoinstallation Alec Baldwin und Julianne Moore über die Gefühle von Flüchtlingen reden lässt (zu sehen im Kunstmuseum Stuttgart). Weitere Interviewparter sind Kate Hudson, Norman Reedus (The Walking Dead; interviewt von Diane Krueger) und Sean Baker (Tangerine). Sehr amüsant ist auch immer die Kolumne Joops Warenhaus, bei der Wolfgang Joop skurrile Produkte testet.






Stories


Dies ist der Hauptteil von Interview. Über 80 Seiten (ohne eine Seite Werbung!) voller Interviews und kunstvoller Fotostrecken.






 In dieser Ausgabe wird Mia Wasikowska (Alice im Wunderland) von Sam Taylor-Johnson (50 Shades of Grey) und Jack O'Connell (Unbroken) von Jodie Foster interviewt. Die Interviews gehen immer über mehrere Seiten, sind teilweise sehr intim und man erfährt immer auch was über den Interviewer, weil es wie ein Gespräch zwischen Freunden nach ein paar Drinks klingt.
Angelica Blechschmidt, ehemalige Vogue-Chefin, zeigt und kommentiert alte Fotos von Partys in den Neunzigen, mit dabei Aufnahmen von Naomi Campbell, Carla Bruni, Johnny Depp mit Kate Moss, Demi Moore und - mein persönliches Highlight - Leonardo DiCaprio, noch bevor er Titanic gedreht hat.

Bling & Beauty


Hier kommen die Produktpräsentationen! Neben Uhren (Rolex & Co), werden fleißig Kosmetikprodukte präsentiert, aber auf eine sehr hochwertige Art. Wer sich für neue Hypes und LEs interessiert, wird diesen Abschnitt lieben.







Good Life


Hier geht es um Interior. Es gibt eine Homestory der Designgaleristin Rossana Orlandi (wunderschön!) und es werden Designer und Design vorgestellt. Dazu kommt ein bisschen Kulinarik / Food und fertig ist Good Life.


Fazit


Interview ist keine Zeitschrift, die die breite Masse ansprechen möchte, sondern richtet sich an Menschen, die was für Ästetik, Kunst und Kultur übrig haben. Dabei ist sie aber nicht spießig, sondern purer Pop. Sie eröffnet mir eine ganz neue Welt und schafft einen intellektuellen Ausgleich zu meinem eher technisch-faden Alltag (ich studiere Bauingenieurwesen).
Spaß beim Blättern hat dabei auch der Kunstlaie, wenn er aufgeschlossen ist. Man kann es auch problemlos nur zur Unterhaltung lesen. Ich würde sagen, dass es von Niveau ähnlich ist wie die Vogue, nur eben dass es mehr um Film und Design geht als nur um Mode.

Hervorzuheben ist auf jeden Fall auch der geringe Anteil an Werbung, der auch wirklich beim Lesen nicht auffällt, teilweise ist sogar die Werbung ein Kustwerk (nein, hier werdet ihr keine Nivea-Werbung mit Produktprobe finden!).
Auch hier gibt es Fotostrecken und Kaufvorschlägen, allerdings wird fast nur unbezahlbarer Luxus vorgestellt, weshalb ich mich das ziemlich kalt lässt und ich es eher als Kunstobjekt betrachte.

Unschlagbar ist auch der Preis für Studenten mit 1,50 pro Ausgabe. Da kann nicht mal Joy mithalten! Der volle Preis liegt bei 6.00, wenn ihr es am Kiosk kauft. Der Preis ist bei über 200 Seiten und der Arbeit, die da drin steckt, aber gerechtfertigt. Die Vogue kostet genau so viel und beinhaltet viel mehr Werbung.

Wer sich selbst als Kunstaffin bezeichnet und Interview noch nicht kennt, sollte es einmal ausprobieren.  Gerade als Lektüre für's Flugzeug eignet sie sich super, weil sie viel Lesestoff bietet und bei den Mitpassagieren auch einen besseren Eindruck macht als eine Frauenzeitschrift zum Thema So schummeln Sie sich zehn Kilo schlanker.

Ich gebe ihr 9 von 10 Lesebrillen. Den kleinen Abzug gibt es, weil mir manche Künstler so gar nichts sagen.


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